BigBlueButton ist ein quelloffenes Videokonferenzsystem, das für Unterricht und Schulung entwickelt wurde – nicht für Vertriebstermine. Es läuft im Browser, wird auf einem eigenen Server betrieben und bringt Whiteboard, Umfragen und Breakout-Räume von Haus aus mit. Dieser Artikel erklärt, wie es funktioniert, für wen es sich eignet und was der Betrieb bedeutet.
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BigBlueButton in Kürze
BigBlueButton ist eine Open-Source-Software für virtuelle Klassenräume. Sie ist kostenlos in der Lizenz, wird auf eigener Infrastruktur betrieben und ist auf didaktische Situationen zugeschnitten: eine Lehrperson vorne, viele Teilnehmende, Material auf der Fläche, Gruppenarbeit nebenan.
Drei Eigenschaften bestimmen den Charakter des Systems:
- Open Source. Keine Lizenzkosten, keine Pro-Kopf-Gebühren. Kosten entstehen für den Betrieb.
- Selbst gehostet. Die Software läuft auf Servern, die Sie oder Ihr Dienstleister kontrollieren. Bei uns stehen diese Server in Deutschland, in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum. Mehr dazu unter BigBlueButton Hosting.
- Für Bildung gebaut. Die Funktionen orientieren sich an Lehr- und Lernszenarien, nicht am klassischen Business-Meeting.
Wie funktioniert BigBlueButton?
BigBlueButton läuft vollständig im Browser. Teilnehmende klicken auf einen Link, geben Kamera und Mikrofon frei und sind im Raum – ohne Installation, ohne Konto, ohne Client.
Technisch nutzt das System die Web-Standards für Echtzeitkommunikation, die in aktuellen Browsern bereits enthalten sind. Audio, Video und Bildschirminhalte laufen über den Konferenzserver, der die Ströme verteilt. Das bedeutet auch: Die Leistungsfähigkeit hängt an diesem Server. Wer viele parallele Räume betreibt, verteilt die Last über mehrere Server – dafür gibt es die Komponente Scalelite, die Konferenzen automatisch auf einen Verbund verteilt.
Für Teilnehmende bleibt das unsichtbar. Sie sehen einen Raum mit Präsentationsfläche, Teilnehmerliste und Chat.
Die wichtigsten Funktionen
Die Funktionen sind der eigentliche Unterschied zu allgemeinen Konferenzwerkzeugen. Sie sind Teil des Systems und müssen nicht zugekauft werden.
- Whiteboard. Auf der Präsentationsfläche lässt sich zeichnen, markieren und schreiben. Die Moderation kann das Whiteboard für alle freigeben, sodass mehrere Personen gleichzeitig arbeiten.
- Bildschirmfreigabe. Ein Fenster oder der ganze Bildschirm wird geteilt – für Software-Demonstrationen, Dokumente oder Live-Vorführungen.
- Breakout-Räume. Teilnehmende werden in Kleingruppen aufgeteilt, arbeiten dort eigenständig und kehren nach Ablauf der Zeit in den Hauptraum zurück. Die Moderation kann die Gruppen besuchen.
- Umfragen. Kurze Abstimmungen während der Sitzung, mit sofortiger Auswertung auf der Präsentationsfläche. Nützlich als Verständnischeck.
- Geteilte Notizen. Ein gemeinsames Textfeld, in dem alle gleichzeitig schreiben. Ergebnisse lassen sich am Ende exportieren.
- Aufzeichnung. Sitzungen können mitgeschnitten und später abgerufen werden. Wichtig: Aufzeichnungen von Personen sind datenschutzrechtlich zu bewerten und brauchen eine saubere Grundlage. BigBlueButton und DSGVO →
- Moderationsrechte. Die Moderation vergibt und entzieht Rederechte, stummschaltet einzeln oder alle, befördert Teilnehmende zur Präsentation und sperrt bei Bedarf Funktionen wie Chat oder private Nachrichten.
Dazu kommen alltägliche Kleinigkeiten: öffentlicher und privater Chat, Handmelden, Statusanzeigen und das Hochladen von Präsentationen direkt in den Raum.
Für wen eignet sich BigBlueButton?
Für alle, die regelmäßig lehren, schulen oder moderieren – und dabei Kontrolle über ihre Daten behalten wollen.
- Schulen und Hochschulen setzen es für Distanz- und Hybridunterricht ein. Die Breakout-Räume bilden Gruppenarbeit ab, das Whiteboard ersetzt die Tafel. Lösungen für Schulen →
- Weiterbildungsanbieter und Unternehmen nutzen es für Schulungen und Onboarding, oft direkt aus dem Lernmanagementsystem heraus. Lösungen für Unternehmen →
- Vereine und Verbände halten damit Sitzungen und Kurse ab, ohne pro Mitglied zu zahlen. Lösungen für Vereine →
Weniger geeignet ist BigBlueButton für Szenarien, die stark auf Telefonie, große Broadcast-Events oder tiefe Integrationen in eine proprietäre Bürowelt setzen. Was das im Vergleich bedeutet, zeigt BigBlueButton vs. Zoom.
BigBlueButton und Moodle
Hier liegt die größte Stärke im Bildungsbereich: BigBlueButton läuft nativ als Aktivität in Moodle. Lehrende legen im Kurs eine Konferenz an wie ein Forum oder eine Aufgabe.
Das hat praktische Folgen. Die Teilnehmenden des Kurses sind automatisch die Teilnehmenden der Konferenz – keine separaten Einladungslisten. Rollen aus dem Kurs übersetzen sich in Rollen im Raum. Aufzeichnungen erscheinen im Kurs und sind dort abrufbar. Und es gibt keinen zweiten Anmeldevorgang.
Wie das im Detail eingerichtet wird, beschreibt die Seite BigBlueButton in Moodle. Wenn Sie noch kein Moodle betreiben: Wir hosten beides aus einer Hand, siehe Moodle Hosting.
Selbst betreiben oder hosten lassen?
Beides ist möglich. Die Software ist frei verfügbar – der Aufwand liegt im Betrieb.
| Aspekt | Selbst betreiben | Bei uns hosten |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | keine | keine |
| Installation und Updates | in Ihrer Verantwortung | von uns übernommen |
| Skalierung bei Lastspitzen | eigene Serverplanung, ggf. Scalelite | im Betrieb eingeplant |
| Datenschutzunterlagen | selbst erstellen | AVV und Dokumentation vorhanden |
| Serverstandort | Ihre Wahl | Deutschland, ISO-27001-zertifiziert |
| Benötigtes Wissen | Linux, Netzwerk, Medienserver | keines |
Selbst betreiben lohnt sich, wenn eigene IT-Kapazität vorhanden ist und ohnehin Server gepflegt werden. Für alle anderen ist Mieten der schnellere Weg: BigBlueButton mieten →
Häufige Fragen zu BigBlueButton
Ist BigBlueButton wirklich kostenlos? Die Software ist Open Source, es fallen keine Lizenz- und keine Pro-Kopf-Kosten an. Für Server, Wartung und Support entstehen Betriebskosten. Preise →
Brauchen Teilnehmende ein Programm oder ein Konto? Nein. Ein aktueller Browser und der Raumlink genügen. Das senkt die Hürde besonders bei externen Gästen und Eltern.
Wie viele Personen passen in eine Konferenz? Das hängt von Serverausstattung und Nutzungsart ab – Kamera für alle kostet deutlich mehr Ressourcen als Vortrag mit Chat. Welche Paketgröße zu Ihren typischen Teilnehmerzahlen passt, klären wir im Vorgespräch.
Kann ich Sitzungen aufzeichnen? Ja, die Aufzeichnung ist Teil des Systems. Klären Sie vorab die datenschutzrechtliche Grundlage und informieren Sie die Teilnehmenden.
Funktioniert BigBlueButton auf Tablets und Smartphones? Es ist für die Browser-Nutzung ausgelegt und funktioniert auch auf mobilen Geräten. Bildschirmfreigabe ist dort je nach System eingeschränkt.
Ist der Betrieb DSGVO-konform möglich? Ja. Bei uns läuft BigBlueButton auf Servern in Deutschland, in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum, inklusive Auftragsverarbeitungsvertrag. Details →
Ersetzt BigBlueButton mein Lernmanagementsystem? Nein. Es ist der Konferenzraum, nicht die Lernplattform. Kurse, Material, Aufgaben und Bewertungen bleiben Sache des Lernmanagementsystems.
Fazit
BigBlueButton ist keine allgemeine Meeting-Software mit Bildungsanstrich, sondern ein virtueller Klassenraum mit den passenden Werkzeugen an Bord. Whiteboard, Breakout-Räume, Umfragen und geteilte Notizen sind Teil des Systems statt kostenpflichtiger Zusatz. Weil es Open Source ist und auf eigenen Servern läuft, behalten Sie die Kontrolle über Daten und Kosten. Der Aufwand verschiebt sich damit vom Lizenzeinkauf in den Betrieb – und genau den können Sie abgeben.